VW Passat B1: Wie das Schrägheck Volkswagen neu ausrichtete

Als Volkswagen den Passat im Mai 1973 vorstellte, begann mehr als eine weitere Modellreihe. Der Hersteller ordnet ihn als Auftakt einer großen Produktoffensive und einer neuen wassergekühlten Modellfamilie ein. Die Serienproduktion startete am 14. Mai 1973.

Wer sich mit der Geschichte des VW Passat B1 beschäftigt, sollte drei Entwicklungsschritte voneinander trennen: die Übernahme von Konzerntechnik, Giugiaros Überarbeitung der Karosserie und den später erweiterten Nutzwert. Gerade beim Heck lohnt sich ein genauer Blick, denn die große Klappe gehörte 1973 noch nicht zur Serienausführung.

Audi-80-Basis aus Kostengründen

Volkswagen übernahm für den Passat Plattform und Aufbau des ein Jahr zuvor erschienenen Audi 80. Auch die längs eingebauten Motoren stammten aus dem Konzernbaukasten. Nach Angaben von Volkswagen geschah die Übernahme aus Kostengründen. Der technische Neubeginn beruhte damit nicht auf einer vollständig neuen Einzelentwicklung, sondern auf gemeinsam genutzter Konzerntechnik.

Diese Lösung zeigt, wie Volkswagen die neue Modellfamilie aufbaute: Vorhandene technische Grundlagen wurden für eine eigenständige Baureihe genutzt. Der Passat war deshalb eng mit dem Audi 80 verbunden, ohne lediglich unter einem anderen Markennamen angeboten zu werden. Für seine eigenständige Erscheinung sorgte vor allem die Überarbeitung der Karosserie.

Giugiaro formt einen eigenständigen Volkswagen

Giorgetto Giugiaro überarbeitete den Audi-Entwurf für Volkswagen. Er formte das Schrägheck und veränderte die Frontpartie leicht. Dadurch erhielt der Passat eine eigenständige Note. Das Modell debütierte als zwei- und viertürige Fließheck-Limousine und unterschied sich durch diese Karosserieform von der zugrunde liegenden Audi-Ausführung.

Der gestalterische Schritt reichte über eine einzelne Baureihe hinaus. Volkswagen bezeichnet den Passat als Auftakt der neuen wassergekühlten Modellfamilie. Zu den anschließend von Giugiaro gestalteten Volkswagen-Modellen gehörten auch der Scirocco I und der Golf I. Der B1 steht damit am Anfang einer neuen Modellgeneration, die Technik und Gestaltung bei Volkswagen neu ausrichtete.

Fließheck bedeutete anfangs noch keine große Heckklappe

Die äußere Schrägheckform kann leicht zu einem falschen Schluss führen. Zum Marktstart 1973 besaß der Passat lediglich eine kleine beziehungsweise konventionelle Kofferraumklappe ohne Durchlademöglichkeit. Die Heckscheibe blieb fest in der Karosserie. Die frühe Fließheck-Limousine war daher noch kein Schrägheckmodell mit großer Heckklappe im später üblichen Sinn.

Erst ab Januar 1975 war die bis ins Dach reichende Klappe serienreif. Sie schloss die Heckscheibe ein und wurde laut Volkswagen mit einer umklappbaren Rückbank kombiniert. Damit folgte der praktische Ausbau des Limousinenkonzepts fast zwei Jahre nach dem Produktionsstart. Für die historische Einordnung früher Passat B1 ist dieser zeitliche Abstand entscheidend: Fließheckform und große Heckklappe wurden nicht gleichzeitig eingeführt.

Der Variant war ein eigener Entwicklungsschritt

Bereits im Januar 1974 ergänzte Volkswagen die Baureihe um den Passat Variant. Der ausschließlich viertürig gebaute Kombi wird vom Hersteller als eigenständige Weiterentwicklung bezeichnet und bot 1.500 Liter Ladevolumen. Auch er darf deshalb nicht mit der späteren großen Heckklappe der Limousine gleichgesetzt werden. Schrägheck, Variant und dachhohe Heckklappe markieren beim B1 drei zeitlich getrennte Schritte.

Die Produktion der ersten Passat-Generation lief im Herbst 1980 aus. Volkswagen nennt insgesamt zwei Millionen verkaufte Fahrzeuge. Der historische Stellenwert des B1 ergibt sich aus der Verbindung von Audi-80-Basis, Giugiaros Überarbeitung und dem schrittweise erweiterten Karosserieangebot. So steht der erste Passat für Volkswagens technischen und gestalterischen Kurswechsel in den 1970er-Jahren.

Quellen und weiterführende Informationen