Unterdruckdose am Zündverteiler prüfen: Bosch-Prüfaufbauten

Bei Zündverteilern mit Fliehkraft- und Unterdruckverstellung wird der Zündzeitpunkt an den jeweiligen Betriebszustand des Motors angepasst. Für die Diagnose ist jedoch nicht die Unterdruckdose allein maßgeblich: Vergaseranschluss, Verbindungsschlauch und Membran bilden getrennte Prüfgegenstände. Die historischen Bosch-Anleitungen zu EFAW 108, EFAW 214/214B und ETT 007.00 beschreiben dafür eigene Abläufe. Ihre Aussagen lassen sich nur zusammen mit dem jeweiligen Prüfgerät und der genannten Verschaltung richtig einordnen. Bosch Classic: Zündung

Die Prüfreihenfolge trennt Ursache und Messort

Ein fehlender oder abfallender Unterdruckwert beantwortet zunächst nur die Frage, was am jeweiligen Messpunkt geschieht. Er weist nicht ohne Weiteres auf einen bestimmten Defekt der Unterdruckdose hin. Deshalb beginnt die EFAW-108-Anleitung bei laufendem Motor am Vergaser, behandelt danach die Leitung als eigenständigen Abschnitt und ordnet die Membrandichtheit einem gesonderten Prüfzustand zu. Diese Abfolge verhindert, dass ein Befund am Vergaseranschluss mit einem Befund an der Dose gleichgesetzt wird.

Auch die Unterdruckhöhe darf nicht vorschnell als allgemeiner Sollwert gelesen werden. Die Anleitung zum Motortester EFAW 214/214B stellt klar, dass der während der Unterdruckprüfung erreichte Wert dem Funktionsnachweis dient und je nach Fahrzeug unterschiedlich ist. Für die abschließende Bewertung sind deshalb keine pauschalen Druckwerte aus einem anderen Fahrzeug oder einer anderen Prüfanleitung geeignet.

Unterdruckerzeugung zuerst am Vergaser feststellen

Nach der Anleitung für den Druck-Unterdruck-Tester EFAW 108 wird bei laufendem Motor zunächst geprüft, ob der Vergaser Unterdruck erzeugt. Bleibt die Anzeige aus, nennt Bosch als Ursache eine verstopfte Vergaserbohrung. Dieser Schritt grenzt den Vergaseranschluss als Messort ab: Die Prüfung beantwortet, ob dort überhaupt Unterdruck anliegt, nicht aber bereits, ob der Unterdruck bis zur Dose gelangt oder ob deren Membran dicht ist.

Für die Diagnose ist diese Unterscheidung wesentlich. Ein vorhandener Unterdruck am Vergaseranschluss belegt die Unterdruckerzeugung an diesem Punkt. Er liefert noch keinen Nachweis für die Durchgängigkeit der nachfolgenden Verbindung und keine Aussage zur Dichtheit der Unterdruckdose. Umgekehrt lässt eine ausbleibende Anzeige in diesem ersten Prüfzustand die Membrandichtheit nicht nach dem dafür vorgesehenen Aufbau beurteilen. Bosch: Bedienungsanleitung EFAW 108

Den Schlauch zwischen Vergaser und Dose separat prüfen

Die EFAW-108-Anleitung beschreibt mit ihrem Vorgehen außerdem die Prüfung der Verbindung zwischen Unterdruckdose und Vergaser auf Durchgang. Der Schlauch ist damit kein bloßes Nebenbauteil der Dose, sondern ein eigener Prüfabschnitt. Die Aussage eines Messwerts hängt folglich davon ab, an welcher Stelle der Aufbau angeschlossen ist und welcher Leitungsweg gerade einbezogen wird.

Diese Trennung schafft eine nachvollziehbare Befundfolge: Erst wird festgestellt, ob der Vergaser Unterdruck bereitstellt. Anschließend wird geprüft, ob die Verbindung diesen Unterdruck übertragen kann. Erst danach folgt die Beurteilung der Membran unter den Bedingungen, die die jeweilige Anleitung dafür vorgibt. Die Bosch-Unterlagen liefern damit keine Grundlage dafür, einen Leitungsbefund automatisch als Membranschaden oder eine Vergaseranzeige automatisch als vollständigen Funktionsnachweis des Gesamtsystems zu werten.

Membrandichtheit nach EFAW 108: eigener Umschaltzustand

Für die Prüfung der Unterdruckdose beschreibt EFAW 108 einen besonderen Aufbau. Der Umschalthahn wird auf Stellung „A“ gesetzt, anschließend wird der Motor stillgesetzt. Der angezeigte Unterdruck soll mindestens eine Minute unverändert stehen bleiben. Diese Vorgabe gehört ausdrücklich zu diesem Prüfzustand; sie ist nicht als allgemeine Ein-Minuten-Regel für beliebige Messanordnungen formuliert.

Fällt der Unterdruck nach dieser Anleitung schneller oder schlagartig ab, wird dies einer undichten Membran zugeordnet. Die Anweisung sieht jedoch vor, die Prüfung vor einem Austausch zu wiederholen. Damit ist der Wiederholungsschritt Teil der dokumentierten Bewertung: Ein einzelner auffälliger Verlauf wird nicht unmittelbar mit dem Austausch der Unterdruckdose gleichgesetzt. Der Befund bezieht sich auf die Membranprüfung im beschriebenen EFAW-108-Aufbau. Bosch: Bedienungsanleitung EFAW 108

EFAW 214/214B: Zehn Prozent gelten nur in diesem Aufbau

Der Motortester EFAW 214 beziehungsweise EFAW 214B beschreibt eine andere Verschaltung. Nachdem bei laufendem Motor Vergaser-Unterdruck festgestellt wurde, wird der Schlauch nahe am Vergaser dicht abgeknickt. Bei stillgesetztem Motor darf der angezeigte Unterdruck innerhalb einer Minute höchstens um zehn Prozent abfallen. Der Messwert wird somit unter einer anderen Bedingung als beim EFAW 108 beurteilt.

Die zwei Angaben dürfen nicht zu einem gemeinsamen Grenzwert vermischt werden. „Mindestens eine Minute unverändert“ gehört zur Membranprüfung mit EFAW 108 und Umschalthahnstellung A. „Höchstens zehn Prozent Abfall in einer Minute“ gehört zum EFAW-214-Aufbau mit dicht abgeknicktem Schlauch nahe dem Vergaser. Wer die Prüfaufbauten nicht mitnennt, verändert die Aussage der Werte. Bosch: Betriebsanleitung EFAW 214 und EFAW 214B

Verstellbewegung ist eine separate Funktionsprüfung

Die Prüfung der Unterdruckverstellung bei laufendem Motor beantwortet eine andere Frage als die Dichtheitsprüfung. Beide Bosch-Anleitungen verlangen dafür eine konstante Motordrehzahl. EFAW 214 begründet dies ausdrücklich damit, den Einfluss der Fliehkraftverstellung auszuschalten. Nur bei unveränderter Drehzahl soll die Bewegung der Zündzeitpunktmarke im Zusammenhang mit dem steigenden Unterdruck beobachtet werden.

EFAW 108 beschreibt den Verstellbeginn als den Zeitpunkt, an dem die Marke ihre Bewegung aufnimmt. Das Verstellende ist erreicht, wenn die Markenbewegung bei weiter steigendem Unterdruck endet. Diese Begriffe beziehen sich auf den Verlauf der Verstellung, nicht auf die Haltezeit eines Unterdruckwerts. Eine sich bewegende oder stehen bleibende Marke und ein dicht oder undicht bewerteter Prüfaufbau sind deshalb unterschiedliche Befunde, die getrennt mit den passenden Sollangaben verglichen werden müssen.

Sollwerte immer dem Fahrzeug zuordnen

Die Bedienungsanweisung zum Unterdrucktester ETT 007.00 fordert den Vergleich von Ist- und Sollwerten. Als Quelle nennt Bosch Testwerteblätter. Sind dort für ein Fahrzeug keine Angaben enthalten, verweist die Anleitung auf Werkstatthandbücher der Fahrzeughersteller oder auf Tabellenbücher von Fachverlagen. Damit bleibt die fahrzeugbezogene Dokumentation maßgeblich für die Bewertung von Verstellbeginn, Verstellende und weiteren Prüfwerten.

Historische Prüfgeräteanleitungen erläutern also vor allem den Messaufbau und die Zuordnung einzelner Befunde. Sie ersetzen keine fahrzeugspezifischen Daten. Die sorgfältige Dokumentation, welches Gerät verwendet wurde, wie der Schlauch geführt oder abgeknickt war und ob der Motor lief, ist für die Einordnung eines Messwerts ebenso wichtig wie der abgelesene Wert selbst. Bosch: Bedienungsanweisung ETT 007.00

Quellenbasierte Praxisliste

  • Bei laufendem Motor zunächst feststellen, ob am Vergaseranschluss Unterdruck vorhanden ist.
  • Die Verbindung zwischen Vergaser und Unterdruckdose anschließend als eigenen Prüfpunkt auf Durchgang prüfen.
  • Für EFAW 108 die Membrandichtheit nur mit Umschalthahnstellung „A“ und stillgesetztem Motor bewerten; bei auffälligem Abfall die Prüfung vor einem Austausch wiederholen.
  • Den Grenzwert von höchstens zehn Prozent Abfall pro Minute ausschließlich dem EFAW-214/214B-Aufbau mit dicht abgeknicktem Schlauch nahe dem Vergaser zuordnen.
  • Messwerte abschließend nur mit den für das jeweilige Fahrzeug dokumentierten Sollwerten vergleichen.

Quellen